Im Jahre 1989 war ich
zum zweiten Mal im Urlaub in der Türkei. Das Land und die Leute fand ich so
faszinierend, dass ich beschloss, erst einmal da zu bleiben. Damals war ich 19
Jahre alt und hatte in München mein Orientalistik-Studium begonnen. Also traf
es sich gut, denn Türkisch musste ich ja so oder so lernen. Warum also nicht gleich
jetzt, dachte ich mir.
Seitdem sind 24 Jahre
vergangen und ich habe es nicht einen Tag bereut, nicht nach Deutschland zurück
gegangen zu sein. Natürlich lernte ich erst mal kein Türkisch, denn die 90’er
Jahre Istanbuls waren sehr spannend. Damals, im Jahre 1990, gab es in der heutigen
Metropole gerade mal zwei Bars. Da kannte natürlich jeder jeden. Erst etwas
später sind dann die Diskotheken und Kneipen wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Die Türkei und
besonders Istanbul entwickeln sich regelrecht in Quantensprüngen. Ich fühle
mich glücklich, dass ich das alles miterlebt habe. Denn es war wirklich faszinierend
– ist es noch heute. Aus Zeiten mit klapprigen Autos, Tante Emma Läden,
ständigen Stromausfällen und rationiertem Leitungswasser sind überdimensionale Einkaufszentren,
24 Stundenservice in jedem Bereich und eine schwindelnd erregende Menge an privaten
Krankenhäusern und Schulen geworden.
Ich habe dann in
Istanbul Anglistik (BA) und Philosophie (BA/MA) studiert. Nach ein paar Jahren
als freie Journalistin für englische und deutschsprachige Medien war ich über ein
Jahrzehnt die Türkei-Vertretung eines englischen Textilverlages. Später habe ich
meine eigene türkische Heimtierzeitschrift herausgebracht. Die ganzen Jahre
über war ich privat, beruflich und geographisch mitten im türkischen Leben. Mein
Lebensmittelpunkt, Wohnung wie Arbeit, war mitten in der Innenstadt Istanbuls. Ausländer
habe ich nur im ersten Jahr gekannt. Ab da war mein Freundes- und
Bekanntenkreis fast ausschließlich türkisch.
Nach knapp 20 Jahren
im Zentrum bin ich 2006 in ein kleines Dorf außerhalb Istanbuls gezogen. Dort
lebe ich mit meinem türkischen Lebensgefährten, unseren zwei Kindern, einer
Hand voll Hühnern, vielen Katzen und Hunden. Ich bin seit 30 Jahren Vegetarierin und Atheistin, wobei es eher das erste war, das in den ersten Jahren in der Türkei mein Leben erschwerte. Als ich mir für meine zwei
kleinen Kinder zwecks der Sprache etwas mehr deutschsprachigen Umgang wünschte,
wagte ich auch den Sprung in die deutsche Gemeinschaft.