30.9.13

Das neue Bild der Türkei

Ohne Marsch, dafür aber mit Kopftuch... Es schwappt heute wie eine Welle durch die sozialen Netzwerke. Die Türken sind entsetzt. Erdoğan hat das Kopftuchverbot für Beamte aufgehoben! Zudem wird auch der Marsch nicht mehr montagsmorgens auf den Schulhöfen gesungen! Ich jedoch fühle mich, als sollte ich jetzt besser den Mund gegenüber Freunden und Bekannten halten. Denn mir fӓllt eigentlich ein Stein vom Herzen...
Den morgentlichen Marsch montags fand ich schon immer sehr befremdend. Mit Grauen dachte ich an die Zeit, wenn auch meine beiden Jungs zur Schule gehen werden und sich in Schuluniform gekleidet aufreihen müssen, um einen Marsch zur Huldigung des Staatsgründers zu singen. Nun, die Schuluniform ist ja Anfang des Jahres abgeschafft worden. Heute gefolgt vom Marsch. Meine Jungs werden also doch in für mich "normaler Art und Weise" zur Schule gehen können! Ich bin erleichtert.
 
Im Gegensatz zu Millionen von Türken, die lautstark schimpfen. Für sie ist es nicht ein Schritt hin zu mehr Demokratie oder, wie für mich, hin zu Normalitӓt. Nein, sie sehen es als Untergrabung des laizistischen Staates, dass alles, was Staatsgründer Atatürk einführte, langsam abgeschafft wird. Vorallem, dass man jetzt überall Kopftuch tragen darf, ist vielen ein Dorn im Auge. Ich persönlich fand es schon immer nur normal, dass in einem islamischen Land kopftuchtragende Damen vorhanden sind. Religionsfreiheit bitte überall und auf allen Ebenen, aber nicht in Bezug aufs Kopftuch im eigenen Land? Das geht doch irgendwie nicht. Nun ja, ich begrüsse diese Entscheidung, da ich sie als normal ansehe. Eben als etwas, das in einem islamischen Land möglich sein sollte.  

Da es bisher ja nicht erlaubt war, als Beamtin Kopftuch zu tragen, erwarte ich demnӓchst allerdings eine Überraschung. Denn meiner Meinung nach wird sich jetzt das wahre Gesicht der Türkei zeigen. Weiss denn jemand, wieviele kopftuchtragende Frauen es in der Türkei wirklich gibt? Nein! Bisher konnte man es auch nicht wirklich erkennen, da ja die Unmengen an Beamtinnen im Dienst kein Kopftuch tragen durften. Natürlich werden wir demnaechst weitaus mehr kopftuchtragende Frauen sehen. Natürlich wird es dann heissen, dass das Land fundamentalistischer geworden sei. Aber das ist es nicht. Die Türkei muss sich nur einer Wahrheit stellen, die es bisher unter Verboten versteckt hielt. 


1 Kommentar:

  1. Dem stimme ich voll und ganz zu. Diese Wahlfreiheit stell einen Schritt zu mehr Selbstbestimmung der türkischen Bürger da. Religionsfreiheit gehört auch dazu.

    AntwortenLöschen