Während in Deutschland keiner die Tür für eine
Frau mit Kinderwagen aufhält, steht einem hier sofort jemand zur Seite. Mit
oder ohne Kinderwagen, Hauptsache mit Baby
oder quengelndem Kind, in der Türkei wird man an Supermarktkassen vorgelassen,
die Türen werden einem aufgehalten, beim Bewältigen von Treppenstufen ist man nie
alleine und es werden einem mal schnell die Taschen getragen. Wo auch immer
eine zusätzliche Hand nützlich sein könnte, man bekommt sie umgehend – und das
auch noch von Fremden und ohne darum bitten zu müssen!
In Restaurants nörgelt keiner über laute oder quengelnde Kinder. Nachbarn würden das eh niemals machen. Wenn mal ein Glas Saft umgekippt, kommt der Ober sofort zur Hilfe “ach ich mach das schon, ich weiss wie das ist, wir haben doch auch Kleinkinder in der Familie.” Muss einem Baby mal die Windel gewechselt werden, so schiebt man mal schnell zwei Stühle zusammen. Nie würde jemand etwas dazu sagen! Als Mama und Papa wird man verwöhnt. Ein Baby ist so gut wie ein Freifahrtschein, nein besser!
In Restaurants nörgelt keiner über laute oder quengelnde Kinder. Nachbarn würden das eh niemals machen. Wenn mal ein Glas Saft umgekippt, kommt der Ober sofort zur Hilfe “ach ich mach das schon, ich weiss wie das ist, wir haben doch auch Kleinkinder in der Familie.” Muss einem Baby mal die Windel gewechselt werden, so schiebt man mal schnell zwei Stühle zusammen. Nie würde jemand etwas dazu sagen! Als Mama und Papa wird man verwöhnt. Ein Baby ist so gut wie ein Freifahrtschein, nein besser!
Deutschland ist
für mich das Konträr dazu. Als ich mit meinem damals drei Monate altem Sohn
nach Deutschland flog, kam bereits in der Warteschlange eine Angestellte des
Bodenpersonals und übernahm für mich den Check-in, damit ich in aller Ruhe in
dem nahegelegenden Cafe sitzend mit Baby warten konnte. An der Passkontrolle
und beim Boarding, sofort wurde ich mit meinem Baby durchgewunken. Gab es keinen
freien Sitzplatz, so stand sofort jemand auf. Am Flugzeug brauchte ich nur meinen
Sohn und meine Tasche nehmen, schon kam jemand vom Personal mit den Worten “Setzten
sie sich nur, ich kümmere mich schon um Ihren Kinderwagen”.
Um so ernüchternder
war Deutschland und der Rückflug. Schon in Deutschland hatte ich feststellen
müssen, dass bei Treppen oder Türen einem keiner behilflich ist. Auch am
deutschen Flughafen liess mich keiner vor an der Passkontrolle und das, obwohl
mein Sohn am Schreien war und nicht aufhören wollte. Beim Warten aufs Boarding
bot mir niemand einen Sitzplatz an, geschweige denn dass ich vorgelassen worden
wäre. Auf meine Anfrage beim Bodenpersonal, hiess es nur, stellen sie sich hier
vorne hin und warten sie hier, dann kommen sie auch eher dran. Also war ich mit
meinem Baby mittendrin im Gedränge beim Einsteigen ins Flugzeug. Doch soweit
kam ich erst gar nicht, denn an einer Treppe endete mein Boarding. Da niemand
half, den Kinderwagen die Treppen runterzutragen, ging ich zurück und verlangte
nach einem Aufzug oder einer helfenden Hand. Natürlich musste ich weitere 5-10
Minuten warten, bis jemand kam, um mich zum Aufzug zu bringen. Es galt aber noch
den Kinderwagen am Ende der Gangway abzugeben. Leider ist es nicht möglich,
einen Kinderwagen zusammenzuklappen während man ein Baby hält. Zumindest bei
meinem nicht. Also entweder oder. Nachdem sich keiner des Personals willig
zeigte mir zu helfen, drückte ich dem mir am nächsten Stehenden einfach mein
Baby in die Hand: “Halten sie mal”.
Zwar sind Kinder
in der Türkei Allgemeingut, d.h. es kommt nicht selten vor, dass Wildfremde mal
schnell in den Kinderwagen greifen um die Bäckchen zu streicheln oder kleinen
Kindern über die Köpf gestreichelt wird. Auch werden sie von Fremden mit Süßigkeiten
beschenkt, ohne dass man als Eltern vorher gefragt würde. Und vollkommen Fremde
mischen sich in die Erziehung ein. Sprüche wie “Passen Sie auf, dass er nicht
friert.”, “es ist so windig, sie müssen ihm eine Mütze aufsetzen”, “passen Sie
auf, der verschluckt sich vielleicht”, “ach lassen sie ihn das doch haben” höret
man schon öfters in diesem Land. Auf diese verbale Einmischung reagiere ich ganz
untürkisch und ziemlich unfreundlich mit einem “Ist es ihr Kind oder was?”
Irgendwo habe ich meine Grenzen. Doch auch wenn es mich stört, dass Fremde meine
Kinder anfassen und jeder Ladenbesitzer ihnen was schenkt, so sage ich nichts. Denn
auf der anderen Seite helfen einem, wie gesagt alle, wenn man mit Kind
unterwegs ist. Und man kann ja nicht alles haben, oder? Allgemeingut ist eben
Allgemeingut, und das auf allen Ebenen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen