29.4.13

Hilfsbereitschaft und Kinderliebe

Als meine Eltern mir kürzlich erzählten, wie schwer sie es hatten, am deutschen Flughafen etwas Hilfe beim Boarding zu bekommen, obwohl mein Vater zu 90 Prozent gehbehindert ist, musste ich an die Hilfsbereitschaft der Türken denken. Definitiv ein Grund, warum ich dieses Land liebe. Die Türken sind hilfsbereit und zudem ist die Türkei ein unglaublich kinderliebendes Land.

Während in Deutschland keiner die Tür für eine Frau mit Kinderwagen aufhält, steht einem hier sofort jemand zur Seite. Mit oder ohne Kinderwagen, Hauptsache mit  Baby oder quengelndem Kind, in der Türkei wird man an Supermarktkassen vorgelassen, die Türen werden einem aufgehalten, beim Bewältigen von Treppenstufen ist man nie alleine und es werden einem mal schnell die Taschen getragen. Wo auch immer eine zusätzliche Hand nützlich sein könnte, man bekommt sie umgehend – und das auch noch von Fremden und ohne darum bitten zu müssen!

In Restaurants nörgelt keiner über laute oder quengelnde Kinder. Nachbarn würden das eh niemals machen. Wenn mal ein Glas Saft umgekippt, kommt der Ober sofort zur Hilfe “ach ich mach das schon, ich weiss wie das ist, wir haben doch auch Kleinkinder in der Familie.” Muss einem Baby mal die Windel gewechselt werden, so schiebt man mal schnell zwei Stühle zusammen. Nie würde jemand etwas dazu sagen! Als Mama und Papa wird man verwöhnt. Ein Baby ist so gut wie ein Freifahrtschein, nein besser!

Deutschland ist für mich das Konträr dazu. Als ich mit meinem damals drei Monate altem Sohn nach Deutschland flog, kam bereits in der Warteschlange eine Angestellte des Bodenpersonals und übernahm für mich den Check-in, damit ich in aller Ruhe in dem nahegelegenden Cafe sitzend mit Baby warten konnte. An der Passkontrolle und beim Boarding, sofort wurde ich mit meinem Baby durchgewunken. Gab es keinen freien Sitzplatz, so stand sofort jemand auf. Am Flugzeug brauchte ich nur meinen Sohn und meine Tasche nehmen, schon kam jemand vom Personal mit den Worten “Setzten sie sich nur, ich kümmere mich schon um Ihren Kinderwagen”.

Um so ernüchternder war Deutschland und der Rückflug. Schon in Deutschland hatte ich feststellen müssen, dass bei Treppen oder Türen einem keiner behilflich ist. Auch am deutschen Flughafen liess mich keiner vor an der Passkontrolle und das, obwohl mein Sohn am Schreien war und nicht aufhören wollte. Beim Warten aufs Boarding bot mir niemand einen Sitzplatz an, geschweige denn dass ich vorgelassen worden wäre. Auf meine Anfrage beim Bodenpersonal, hiess es nur, stellen sie sich hier vorne hin und warten sie hier, dann kommen sie auch eher dran. Also war ich mit meinem Baby mittendrin im Gedränge beim Einsteigen ins Flugzeug. Doch soweit kam ich erst gar nicht, denn an einer Treppe endete mein Boarding. Da niemand half, den Kinderwagen die Treppen runterzutragen, ging ich zurück und verlangte nach einem Aufzug oder einer helfenden Hand. Natürlich musste ich weitere 5-10 Minuten warten, bis jemand kam, um mich zum Aufzug zu bringen. Es galt aber noch den Kinderwagen am Ende der Gangway abzugeben. Leider ist es nicht möglich, einen Kinderwagen zusammenzuklappen während man ein Baby hält. Zumindest bei meinem nicht. Also entweder oder. Nachdem sich keiner des Personals willig zeigte mir zu helfen, drückte ich dem mir am nächsten Stehenden einfach mein Baby in die Hand: “Halten sie mal”.

Zwar sind Kinder in der Türkei Allgemeingut, d.h. es kommt nicht selten vor, dass Wildfremde mal schnell in den Kinderwagen greifen um die Bäckchen zu streicheln oder kleinen Kindern über die Köpf gestreichelt wird.  Auch werden sie von Fremden mit Süßigkeiten beschenkt, ohne dass man als Eltern vorher gefragt würde. Und vollkommen Fremde mischen sich in die Erziehung ein. Sprüche wie “Passen Sie auf, dass er nicht friert.”, “es ist so windig, sie müssen ihm eine Mütze aufsetzen”, “passen Sie auf, der verschluckt sich vielleicht”, “ach lassen sie ihn das doch haben” höret man schon öfters in diesem Land. Auf diese verbale Einmischung reagiere ich ganz untürkisch und ziemlich unfreundlich mit einem “Ist es ihr Kind oder was?” Irgendwo habe ich meine Grenzen. Doch auch wenn es mich stört, dass Fremde meine Kinder anfassen und jeder Ladenbesitzer ihnen was schenkt, so sage ich nichts. Denn auf der anderen Seite helfen einem, wie gesagt alle, wenn man mit Kind unterwegs ist. Und man kann ja nicht alles haben, oder? Allgemeingut ist eben Allgemeingut, und das auf allen Ebenen.  

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