17.4.13

Chaos oder Spontaneität?


Grundsätzlich könnte man sagen, Chaos ist in der Türkei, vor allem aber in Istanbul, großgeschrieben. Oder sollte man es lieber Spontaneität nennen?
Wie auch immer, Planen und Organisieren ist definitiv keine Stärke der Türken. Faul jedoch darf man sie nicht nennen! Im Vergleich zu dem, was man in den letzten Jahren so von den Griechen gehört hat, ein wahres Volk der Arbeiter! Und wer nimmt sonst tägliche Fahrten zur Arbeit bis hin zu 2 Stunden auf sich? Einzelne Fahrt, versteht sich. Es läuft nur alles ein bisschen anders.

Da ja eh wegen fehlender Organisation nie etwas wirklich klappt wie geplant, muss man flexibel sein. Das akzeptieren auch alle so. Zu spät kommen ist kein Problem, denn man kann ja nie voraussagen, wie der Verkehr so sein wird. Oder wie lange der Termin, den man vorher hat, so dauern wird. Spontan muss man hier sein, sonst kriegt man nichts gebacken. Man sollte in der Lage sein, sich andauernd auf neue Systeme einzustellen. Den Spruch “nichts währt ewig” nimmt man in der Türkei nur zu genau. Auch der Staat ist fleißig damit beschäftigt, geltende Regelungen zu überarbeiten. Um sie dann, nachdem man sich gerade dran gewöhnt hat und weiß wie es funktioniert, wieder zu ändern.

Das hat aber auch seine guten Seiten. Denn, dass sich jeder ständig den Umständen anpassen muss, hat letztlich dazu geführt, dass man sehr spontan ist. Es wird nie etwas lange im Voraus geplant. Urlaube werden kurzfristig, max. zwei Wochen vorher, geplant. In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal die Möglichkeit Urlaube langfristig zu buchen.  Doch ist es selten, dass man langfristiger überhaupt buchen könnte, denn Ferien bzw. Urlaubstage werden meist eine Woche vorher festgesetzt. Das ist extrem gewöhnungsbedürftig, aber man kommt damit irgendwann klar. Das Schöne aber ist, dass man oft auch erst am selben Tag entscheidet, ob man abends etwas unternimmt oder nicht. Man ruft einfach einen Freund an und fragt, ob er/sie nicht Lust hat ins Kino, auf ein Bier oder in die Disko zu gehen. Zwei Stunden später trifft man sich dann. In meinem Fall sind das jetzt zwar eher Treffen der Kinder zum Spielen am Nachmittag, aber trotzdem, ich finde das toll!


2 Kommentare:

  1. Einen wunderschönen Guten Morgen, ich hab hier gerade 3 von 5 artıkel gelesen, und hab mich dabei gefreut ,dass auch mal eine andere Deutsche über die Türkei so denkt und sieht wie ich. Aber ich kann mir vorstellen dass Sie in der zeit auch nTürkisch gelernt haben. İch hab in den 30 Jahren die ich schon hier bin supergutes türkisch.
    Und das was Sie hier beschreiben und was ich mit supergutem türkisch meine, also nicht nur Scheisse-, bok ,oder solche Wörter, das nennt man Anpassung. Und da kann man mal wieder sehn wie schöööön Anpassung sein kann .
    İch schreib mal wieder, bis bald
    İhre Tina

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    1. Hallo Tina, wie schön :) Ich freue mich ja über Kommentare und jeden neue(n) Leser(innen)! Ja klar, mein Türkisch ist super. Ich habe lange Zeit eine Zeitschrfit hier verlegt und blogge übrigens auch auf Türkisch, allerdings über ein anderes Thema. Ich kann mich Ihnen nur anschliessen. Anpassen ist schön :) aber irgendwie nur dann möglich, wenn man es wirklich auf fast allen Gebieten durchzieht. Die Sprache lernen ist da ein Muss :)
      Liebe Grüsse

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